Fleischfressende Pflanzen


Nicht nur Tiere und Menschen nehmen Proteine zu sich – die eine oder andere Pflanze dreht den Spieß einfach um und vertilgt ihrerseits verschiedenste Insekten & Co. Allein diese Tatsache sorgt neben dem ungewöhnlichen Aussehen dafür, dass Kinder wie Erwachsene gleichermaßen von Fleischfressenden Pflanzen fasziniert sind.
Allgemein

Fleischfressende Pflanzen sind mit ca. 19 unterschiedlichen Arten an ihren Naturstandorten in den US-Staaten, Australien, Tropen und sogar Europa vertreten.

Häufig werden sie auch als Canivoren oder Insektivoren bezeichnet. Sie versorgen sich mit Mineralstoffen und Stickstoffen, indem Sie Einzeller, Insekten oder sogar in tropischen Ländern Beutetiere bis hin zu Fröschen fangen und dann auf unterschiedlichste Weise verdauen.

Canivoren wachsen in der Regel relativ langsam. Die Bildung der Fallen (Klebe-, Klapp-, Saug-, Fallgruben- und Reusenfallen) ist recht aufwändig und kosten ihre Zeit.

Ihr Ausehen wirkt in jedem Fall exotisch...

Auch sind beispielsweise die Fangblätter usw. schlechter zur Photosynthese geeignet als normale Laubblätter. Interessant ist, dass sie auch ohne animalische Zusatznahrung überleben. Zusätzliche Nährstoffe aus Tieren sorgen jedoch dafür, dass sie wachs- und blühfreudiger sind.

Bevorzugte Standortbedingungen


Ein Wunderwerk der Natur - die Drosera scorpioides

Alle Carnivoren lieben einen hellen Fensterplatz. Besonders gut wirkt sich hohe Luftfeuchtigkeit auf die Pflanzen aus. Dies kann man durch große Untersetzer erreichen, in welchen stets etwas Wasser steht, oder indem man die Pflanzen in ein gläsernes Terrarium pflanzt.

In der frostfreien Zeit können die Pflanzen auch halbschattig in den Garten wandern und z. B. in eine feuchte Gartenteichzone ausgepflanzt werden.

Freilandkultur im Sumpfbeet oder in der Moorecke am Gartenteich ist mit Schlauchpflanze, Sonnentau und der Venusfliegenfalle möglich. 

Diese Arten gehören zu den frosthärtesten Carnivoren und können ganzjährig im Freien bleiben. Sonnentau, Fettkraut, Kannenpflanze und Wasserschlauch können bei Zimmertemperatur hell und feucht überwintert werden.

Fantastische Exoten richtig gepflegt

Fleischfressende Pflanzen sind im Prinzip einfach zu kultivieren. Als Sumpfbewohner lieben sie die Feuchtigkeit und können auch über längere Zeit (z.B. Urlaub) Staunässe vertragen. Verwenden Sie Regenwasser oder eine Mischung aus destilliertem Wasser und Leitungswasser.

Die Pflanzerde sollte stets feucht sein. Bei sehr großen Pflanzen, z.B. Sarracenia oder bei Sonnentauarten darf immer etwas Wasser (ca. 1cm) im Untersetzer stehen. Dünger mögen und vertragen die Fleischfresser nicht, da sie auch in der Natur auf eher kargen Standorten wachsen. Die gefangenen Insekten versorgen sie mit den nötigen Nährstoffen. Selbstverständlich können sie Ihre Fleischfressenden Pflanzen auch füttern. Eine Fliege ist dafür bestens geeignet. Hierbei kann aus nächster Nähe beobachtet werden, wie die Pflanze vorgeht.

Da die Pflanzen sich fast ausschließlich über die Blätter und Kannen ernähren, besitzen diese Arten ganz wenig Wurzelmasse. Als Substrat ist ungedüngter Torf zu verwenden oder eine spezielle Carnivoren-Erde. Gedüngte Blumenerde führt zum Absterben der Pflanzen und ist auf Grund des pH-Wertes ungeeignet.

Umtopfen

Insektivoren lieben es Platz zu haben und freuen sich über große Töpfe. Denn dann können sie sich gut entfalten, wachsen und konkurrieren weniger um Nährstoffe, Licht und Wasser.

Gut geeignet zum Bepflanzen sind kleine Glasgefäße oder Terrarien. In diesen Gefäßen ist die Luftfeuchtigkeit höher – dies kommt den Carnivoren entgegen. Die Gefäße sollten jedoch nie ganz geschlossen sein, da sie sich sonst bei Sonneneinstrahlung zu stark erhitzen. Ein weiterer Vorteil von Glas: Der Wasserstand kann besser kontrolliert werden.

Handzahme Fleischfresser für Zuhause

Sie möchten lästigen Fliegen, störenden Insekten zu Leibe rücken und gleichzeitig ein Wunder der Natur genauer unter die Lupe nehmen?

Versuchen Sie es mit folgenden Carnivoren:


Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)

Sie hat eine Klappfalle, auf deren Innenseite sich sechs kleine Kontakthärchen befinden. Werden diese z.B. von einer nektarsuchenden Fliege berührt, schnappt die Falle in Bruchteilen einer Sekunde zu. Durch Verdauungssäfte laugt die Pflanze ihre Beute aus. Übrig bleibt nur der unverdauliche Außenpanzer des Insekts. Die Fallen sollten nicht unnötig gereizt werden.

Heimat: Ostküste USA.

Die Venusfliegenfalls gehört zu den bekanntesten fleischfressenden Pflanzen.

Kannenpflanze (Nepenthes in versch. Sorten)

In den Kannen dieser tropischen Pflanze wird Nektar ausgeschieden, welcher Insekten anlockt. In der Kanne muss immer ca. 1 cm Regenwasser stehen. Beim Ablecken des Nektars rutschen die Beutetiere an den glatten Wänden ab (Fallgrubenfalle) und fallen in die Verdauungsflüssigkeit. Darin ertrinken sie und werden von der Pflanze ausgelaugt. Der Deckel über der Kanne dient als Regenschutz.

Heimat: Borneo und Sumatra.

Eine Vielzahl an Kannen sorgt bei dieser fleischfressenden Pflanzen für Nahrung.

Fettkraut (Pinguicula Tina)

Ihm dienen seine fettig-klebrigen Blätter zum Insektenfang. Die Beutetiere, meist kleinere Insekten, werden vom Glanz und vom Duft der Fangorgane (Blätter) angelockt. Haben sie sich erst einmal auf dem Blatt niedergelassen, gibt es kein Entkommen. Sie werden von dem klebrigen Verdauungssekret (Klebefalle) erfasst und ausgelaugt. Das Fettkraut treibt reichlich Blüten und ist eine robuste Anfängerpflanze.

Heimat: Mittel- und Südamerika.

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Zarte Blüten schweben über den klebrigen Blättern des Fettkrauts.

Kap-Sonnentau (Drosera capensis)

Ihm gehen die Fliegen buchstäblich auf den Leim. Seine Blätter besitzen hunderte von beweglichen Härchen, an deren Ende ein klebriges Sekret (Klebefalle) einen süßen Nektartropfen vortäuscht. Berührt ein Insekt dieses Sekret, wird es festgeleimt. Andere Klebehaare greifen dann nach der Beute und schließlich wird sie langsam vom gesamten Blatt umschlungen.

Heimat: Südamerika.

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Filigran wirken die Fangarme des Kap-Sonnentaus.

Schlauchpflanze (Sarracenia in versch. Sorten)

Der Sarracenia fallen die Fliegen regelrecht in den Schlund. Aus den Schläuchen austretender Nektarduft lockt die Insekten zum Eingang der Falle (Reusenfalle). Bei der Nektaraufnahme an der glatten Schlauchinnenseite rutschen sie in die Falle hinab und ertrinken schließlich in der Verdauungsflüssigkeit. Verschiedene Arten machen eine Ruhephase in den Wintermonaten.

Heimat: Nordamerika und somit winterhart im ausgepflanzten Zustand.


Fallen Insekten in diese Reusenfalle, gibt es kein Entkommen mehr.