Rangkämpfe bei Meerschweinchen


Ring frei zur nächsten Runde – Meerschweinchen in Kampfposition? Dieses Bild passt so gar nicht ins Image der drolligen Nager. Doch Rangstreitigkeiten gehören zu ihrem Alltag einfach dazu.

Streit bei den Meerschweinchen

Uns gegenüber verhalten sich Meerschweinchen überaus friedlich und duldsam, aber bei hauseigenen Rangkämpfen packen sie schon mal die Boxhandschuhe aus. Doch keine Angst – die kleinen Fighter zeigen sich mehr als fair, sodass nur sehr selten ein „Kampfschweinchen“ ernstlich zu Schaden kommt.

Wer in einer Großfamilie lebt, muss sich an strikte Regeln halten, sonst bricht irgendwann das Chaos aus. Bei den Meerschweinchen herrscht deshalb eine strenge Hierarchie, die nicht nur die innere Ordnung aufrechterhält, sondern für die kleinen Nager sogar überlebenswichtig ist.

Erst wird mal beschnuppert - dann beginnt der Kampf ...

Als Beutetiere haben sie ihren zahlreichen Feinden nicht viel entgegenzusetzen und sind allein auf die Stärke der Gruppe, ein perfektes Zusammenspiel und eine reibungslose Kommunikation angewiesen. Welche Position ein Meerschweinchen innerhalb der Familie einnimmt, wird durch Ringkämpfe entschieden. So ist gewährleistet, dass immer das stärkste und fähigste Tier die Truppe anführt. Natürlich steht es jedem Familienmitglied frei, sich einen besseren Platz zu erstreiten. Vielleicht gelingt es ja sogar, bis in die Chefetage aufzusteigen.

Strikte Kampfregeln


Beim Kräftemessen geht es darum herauszufinden - wer ist der Stärkere!?

Treffen zwei Meerschweinchen aufeinander, beschnuppern sie sich zunächst ausgiebig. Jedes Tier verfügt über eine ganz individuelle Duftnote, die quasi als Personalausweis dient. So erkennt der Gegenüber sofort, wen er vor sich hat: Freund oder Feind, Herr oder Dame, Chef oder Untertan. Der Rangniedere räumt dann meist von allein das Feld. Lässt es der Untertan jedoch an Respekt mangeln, wird diese Frechheit mit einem kräftigen Nasenstüber geahndet. Die Reaktion auf diese Zurechtweisung entscheidet über den weiteren Verlauf der Begegnung: Entweder gibt das untergeordnete Meerschweinchen klein bei und verkrümelt sich rasch oder legt es unermüdlich auf eine weitere Konfrontation an.

Zunächst umkreisen sich die Gegner. Dabei stampfen beide kräftig mit einem Hinterfuß auf und schieben ihr Hinterteil vor. So präsentieren sie ihre volle Breitseite in der Hoffnung, dem Gegenüber damit eine gehörige Portion Angst einzujagen. Begleitet wird diese Drohgebärde von heftigem Zähneklappern. Bleibt diese Einschüchterungstaktik erfolglos, richten sich die Meerschweinchen auf den Hinterbeinen auf. Durch das Sträuben der Nackenhaare versuchen sie, noch größer und bedrohlicher zu wirken. Dabei wird weiterhin kräftig mit den Zähnen geklappert und zwischendurch weit das Maul aufgerissen. Bleiben beide Kontrahenten stur, wird es ernst. Sie springen sich gegenseitig an und beißen auch mal kräftig zu, sodass die Fellfetzen fliegen. Doch der Angriff ist nur kurz und keineswegs so dramatisch wie er scheint.

Danach zieht sich jeder Fighter sofort in seine Ecke zurück, um Kraft zu tanken und seine Chancen neu zu überdenken. Nach einer kurzen Verschnaufpause schlägt der Gong zur nächsten Runde. Dieses Kräftemessen wiederholt sich, bis einer der beiden Kontrahenten endlich aufgibt. Mit einem Gähnen signalisiert er, dass der Kampf für ihn beendet ist und er sich dem überlegenen Artgenossen unterwirft. Das heißt aber nicht, dass er an einem anderen Tag nicht erneut sein Glück herausfordert. Vielleicht steht ja sogar irgendwann ein Regierungswechsel an.

Sonst alles okay?

Gibt es im Meerschweinchenheim häufige und dauerhafte Streitereien, dann stimmt meist etwas nicht.

Das kann unterschiedliche Ursachen haben:

  • Ein zu kleines Meerschweinchenheim: Gibt es zu zu wenig Platz, kann dies der Auslöser dafür sein, dass es für die Tiere keine Möglichkeit gibt, sich aus dem Weg zu gehen.
  • Passt die Meerschweincheneinrichtung? Damit sich die Tiere zurückziehen und sich so aus dem Weg gehen können, sind im Meerschweinchenheim unterschiedliche Etagen und diverse Kleintierhäuser sinnvoll.
Der Ausflug ins Grüne tut allen Käfig-Bewohnern gut …
  • Ungenügender Freiraum: Haben die Tiere nicht genügend Freilauf, kann dies ebenfalls zu Streitereien führen. In einem geräumigen Außengehege können die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben, sind ausgelastet und weniger aggressiv.
  • Passt die Vergesellschaftung? Sollte z.B. bei jungen Böcken ein Weibchen in der Nähe sein, genügt bereist der Geruch, um einen heftigen Streit anzuheizen.


Dehner-Tipp:

In unseren Dehner Zoo-Filialen steht Ihnen unser Fachpersonal vor Ort mit Rat und Tat jederzeit zur Seite.

Manchmal müssen wie in jeder Familie die Fetzen fliegen und Rangstreitigkeiten sind für das Zusammenleben der Meerschweinchen wichtig und gehören einfach dazu. Daher sollten Sie nicht in die Kämpfe eingreifen und die Meerschweinchen diese selbst austragen lassen.

Nachtragend sind Meerschweinchen jedenfalls nicht. Schon kurz nach dem Kampf sieht man sie beim vertrauten „Gespräch“ oder beim gemeinsamen Futtern.

Quelle: Dehner Magazin 2/2015