
Pferdefütterung: Wertvolle Tipps zur richtigen Ernährung
Warum grasen Pferde ununterbrochen?
Pferde waren einst typische Steppentiere und haben in den kargen Regionen oft viele Stunden damit verbracht, über weite Strecken hinweg ununterbrochen nach Futter zu suchen und dieses aufzunehmen. Das verfügbare Futter war allerdings oft wenig nährstoffreich. Ihr Verdauungstrakt hat sich über die Jahrhunderte hinweg jedoch an dieses Fressverhalten angepasst.
Auch heute noch zählen Pferde mehr oder weniger zu Dauerfressern, d. h. grasen viele Stunden täglich und nehmen so viele kleine Portionen an Nahrung auf. An sich eine gute und gesunde Sache. Jedoch produziert der Magen dabei fortwährend Magensäure, die ausschließlich durch Speichel neutralisiert werden kann. Dieser wiederum entsteht fast nur beim Kauen. Legt das Pferd eine längere Fresspause ein, fehlt der natürliche Schutzmechanismus. Die stetig produzierte Magensäure kann die empfindliche Magenschleimhaut angreifen, was wiederum zu unangenehmen Folgen wie Koliken, Reizungen oder Magengeschwüren führen kann.
Gut zu wissen: Pferde schlafen nicht stundenlang am Stück, sondern mehrmals am Tag für kürzere Zeit im Stehen und nur einmal bis maximal
60 Minuten mit einer Tiefschlafphase im Liegen. Für die Magensäure ist diese Schlafgewohnheit daher kein Problem.
Raufutter
Als Raufutter bezeichnet man grobes, faserreiches Pflanzenfutter wie Heu, Silage, Stroh oder Weidegras, welches lange gekaut werden muss und auf welches der Magen der Pferde spezialisiert ist. Es stellt das wichtigste Futter für Pferde dar – egal ob Sportpferd, Pony oder Freizeitpferd und kann als alleiniges Pferdefutter oder auch in Kombination mit Ergänzungsfutter gegeben werden.
Exkurs: Unterschied zwischen Heu, Stroh, Silage & Co.? Ganz einfach erklärt: Heu ist getrocknetes Gras, Stroh sind getrocknete Getreidehalme, Silage ist durch eine schnelle Säurebildung haltbar gemachtes Grünfutter und Heulage ist feucht geerntetes, nur leicht angetrocknetes, siliertes Heu.
Mineralfutter
Mineralfutter versorgt ihren Vierbeiner mit allen wichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, welche über das Grundfutter allein nicht in der ausreichenden Menge geliefert werden. Ohne diese wichtigen Booster kann das Pferd stumpfes Fell und schlechte Hufe bekommen und gleichzeitig anfälliger für Infekte sein.
Ein gutes Mineralfutter enthält unter anderem:
• Calcium & Phosphor für Knochen und Zähne
• Magnesium für Muskeln und Nerven
• Zink & Kupfer für Haut, Fell und Hufe
• Selen für Muskelfunktion und Immunsystem
• Vitamine (z. B. A, D, E) sorgen für den reibungslosen Ablauf von Reaktionen im Körper, wie z. B. alle Stoffwechselprozesse
Ergänzungsfutter: Kraft- und Saftfutter
Kraftfutter erklärt sich aus dem Wort heraus von selbst. Es soll dem Pferd Kraft und Energie geben, um einen höheren Energieverbrauch als das Raufutter decken kann, zu unterstützen. Beispiele für das konzentrierte, energiereiche Futter sind Hafer, Gerste, Mais, Reiskleie und Öle. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass Kraftfutter kein Grundfutter ist und nur nach Bedarf gegeben werden soll. Woran erkennt man nun diesen Bedarf? Oft profitieren Pferde mit Untergewicht von diesem zusätzlichen Energiebooster, aber auch bei Sportpferden oder Pferden im Muskelaufbau ist eine Fütterung sinnvoll. Die Futtermenge richtet sich dabei nach der Aktivität des Pferdes, angefangen von ca. 300 g pro 100 kg Gewicht für weniger aktive Pferde bis hin zu 1 – 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht am Tag. Fangen Sie lieber mit etwas weniger Kraftfutter, verteilt auf mehrere Portionen am Tag, an und beobachten Sie das Energielevel ihres Pferdes, um entsprechende Anpassungen der Portionen vorzunehmen.
Zum Saftfutter gehören saftige, wasserhaltige und frische Nahrung wie Karotten, Äpfel, Rote Beete, Rübenschnitzel oder frisches Gras. Sie dienen als ideale Ergänzung, Leckerli oder Abwechslung im Speiseplan eines Vierbeiners. Es ist ebenfalls kein Muss in der Fütterung, liefert aber on top eine Vielzahl an Vitaminen, die der Gesunderhaltung zugutekommen. Der perfekte Mix macht es aus, daher unbedingt bedenken, dass Obst und Rübenschnitzel auch jede Menge Zucker mit sich bringen und gegebenfalls zu Übergewicht oder Soffwechselproblemen führen können.
Übersicht der verschiedenen Futterarten
| Futterart | Hauptbestandteile | Funktion |
|---|---|---|
| Raufutter | Rohfaser, Ballaststoffe | Basis für Verdauung und Gesundheit Beispiel: Heu, Heulage, Gras |
| Kraftfutter | Stärke, Energie | Leistungssteigerung, Energie Beispiel: Hafer, Pellets, Mais |
| Saftfutter | Wasser, Vitamine | Frische, Abswechslung, Feuchtigkeit Beispiel: Karotten, Äpfel, Rübenschnitzel |
Ein Leckerli für Zwischendurch
Wie steht es um das berühmte Leckerlie für Zwischendurch? Eingesetzt als Belohnung nach einem Training oder Tierarztbesuch oder auch als Anreiz für eine bevorstehende Aufgabe, kann man mit einem Leckerlie gezielt seine Beziehung zum Pferd stärken. Wichtig sind jedoch die richtige Handhabe und klare Regeln. So bleibt Ihr Tier gesund und entwickelt keine unerwünschten Bettelgewohnheiten.
Der optimale Fütterungsplan
Das Anliegen eines jeden Pferdehalters ist es, sein Pferd optimal zu versorgen. Dazu gehört ein gut abgestimmter Fütterungsplan, der sich an diesen drei Punkten orientieren sollte:
1. Wie ist das natürliche Fressverhalten des Pferdes?
2. Wie hoch ist der individuelle Futterbedarf in Bezug auf Gewicht, Arbeit, Haltung?
3. Wie möglichst wenig, aber passend füttern?
Wissenswert: Stellen Sie ihrem Pferd immer frisches Wasser und einen Salzleckstein zur Verfügung. Der beste Fütterungsplan funktioniert nicht ohne eine entsprechende Flüssigkeitszufuhr.
Wichtige Grundregeln auf einen Blick
FAQs: Häufige Fragen zur Pferdefütterung – wir antworten!
2. Wie kann ich eine Futterumstellung planen? Nehmen Sie sich bis zu 10 Tage für eine Futterumstellung Zeit. Beginnen Sie zunächst mit ca. 25 % neuem Futter (75 % des gewohnten Futters) und steigern Sie den Anteil täglich hoch, bis Sie bei 100 % neuem Futter angekommen sind. Auf diese schonende Weise kann sich der Verdauungstrakt des Tieres langsam an das neue Futter gewöhnen.
3. Kann mein Pferd nur vom Gras auf der Weide leben? Nein. Frisches Gras von der Weide fällt zwar unter die Kategorie Raufutter und ist gesund und wertvoll für das Pferd, als alleiniges Fütterungsmittel kann es aber zu Koliken und Verdauungsproblemen führen, da es weniger strukturreich ist und eine kürzere Kauzeit (dadurch reduzierte Speichelbildung) hat. Weidegras sollte daher immer in Kombination mit Heu eingesetzt werden.







