#Jobeinblicke
15. Oktober 2026
KI im Arbeitsalltag: Unterstützung statt Ersatz
In meinem Beitrag erzähle ich, wie KI meinen Arbeitsalltag verändert, wo für mich ihre Grenzen liegen und wie wir bei Dehner einen verantwortungsvollen Umgang damit gestalten.
Weniger Routine, mehr Zeit für die eigentliche Aufgabe
In meinem Bereich, dem Arbeitsrecht, verfassen wir viele Texte für unterschiedliche Zielgruppen: mal juristisch präzise und knapp, mal ausführlicher und möglichst verständlich. Wenn ich beispielsweise eine rechtliche Einschätzung für Führungskräfte erstelle, nutze ich KI gerne, um die Inhalte anschließend für andere Zielgruppen aufzubereiten. Dabei ist spannend, wie unterschiedlich dieselbe Information formuliert werden muss. Während der Anwaltskollege eine nüchterne Darstellung der rechtlichen Grundlagen erwartet, möchte ein Mitarbeitender vor allem in verständlicher Alltagssprache wissen: Was bedeutet das konkret für mich? KI hilft mir dabei, Texte zu kürzen, umzuformulieren oder verständlicher aufzubereiten.
Auch bei internen Schulungen nutze ich KI regelmäßig. Statt mit einer leeren PowerPoint-Folie zu starten, lasse ich mir zunächst einen Strukturvorschlag erstellen. So habe ich schnell einen ersten roten Faden, den ich anschließend mit eigenen Ideen weiterentwickle, fachlich prüfe und an meine Anforderungen anpasse.
Kurz gesagt: KI nimmt mir weder die fachliche Bewertung noch die Verantwortung für meine Arbeit ab. Aber sie reduziert Routineaufgaben und schafft mehr Zeit für die eigentlichen Problemstellungen.
Zwischen Hype und echtem Mehrwert
Wer sich heute mit neuer Software beschäftigt, hört vom Anbieter schnell: „Das Tool hat auch KI.“ Beim genaueren Hinsehen zeigt sich manchmal, dass dahinter ein klassischer Algorithmus steckt oder die KI-Funktion separat (oftmals teuer) hinzugebucht werden muss. Für Unternehmen geht es deshalb nicht nur darum, was technisch möglich ist, sondern was einen Mehrwert bietet und wie wir KI verantwortungsvoll einsetzen. Dabei spielen Datenschutz, Transparenz und Mitbestimmung eine zentrale Rolle. Fragen sind zum Beispiel:
- Datenschutz & Vertraulichkeit: Was passiert mit personenbezogenen Daten und vertraulichen Unternehmensinformationen?
- Transparenz: Wann muss der Einsatz von KI kenntlich gemacht werden?
- Mitbestimmung: Kann eine Anwendung zur Leistungs- oder Verhaltenskontrolle genutzt werden?
Ein Teil meiner Arbeit besteht inzwischen darin, viele Fragen zu stellen. Gemeinsam mit Kolleg*innen aus IT, Datenschutz und den Fachbereichen versuche ich zu verstehen, was ein Tool macht, welche Daten es verarbeitet und wie es eingesetzt wird. Erst dann lassen sich die arbeitsrechtlichen Auswirkungen bewerten. Viele Fragen sind noch offen: Was bedeutet es etwa, wenn KI Tätigkeiten übernimmt und Beschäftigte dadurch schneller mit ihren Aufgaben fertig sind? Oder wer trägt Verantwortung, wenn KI bei einer Entscheidungsvorlage unterstützt und sich das Ergebnis als falsch herausstellt? Darauf gibt es nicht immer eindeutige Antworten. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklung aktiv zu begleiten.
Mitbestimmung und Verantwortung gehören dazu
Die Einführung neuer Technologien gelingt am besten, wenn die Rahmenbedingungen von Anfang an gemeinsam gestaltet werden. Bei Dehner setzen wir auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Gesamtbetriebsrat, generell und besonders beim Thema KI. Unsere IT-Rahmenvereinbarung haben wir frühzeitig um KI-Themen ergänzt und einen Annex zum Einsatz von KI-Systemen vereinbart. Auch unsere interne Checkliste enthält KI-spezifische Prüfpunkte zu Risiken, Art und Auswirkungen des KI-Einsatzes. Ein wichtiger Punkt sind sogenannte Halluzinationen: KI-Systeme können Antworten erzeugen, die überzeugend klingen, obwohl die zugrunde liegenden Informationen falsch sind. Das habe ich selbst schon erlebt. Für mich zeigt das: KI-Kompetenz bedeutet nicht nur, gute Prompts zu schreiben, sondern auch Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und die Auswirkungen einer Anwendung zu verstehen.
Auch für Arbeitnehmervertretungen ist KI ein anspruchsvolles Thema. Fragen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle, Datennutzung oder Verantwortung bei KI-gestützten Entscheidungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Entsprechend hat der Gesetzgeber die Hinzuziehung von externen Sachverständigen beim Einsatz von KI erleichtert.
Wie wir bei Dehner auf KI blicken
Bei Dehner stehen wir neuen Technologien offen gegenüber und legen Wert auf einen verantwortungsvollen Einsatz von KI. Orientierung bietet dabei unser KI-Kompass. Neben einer Organisationsanweisung und einer Übersicht der erlaubten Programme finden Mitarbeitende dort praktische Hilfestellungen für den Arbeitsalltag, von Hinweisen zur Kennzeichnung von KI-Inhalten bis zu Tipps für gute Prompts. Was mir besonders gefällt: KI ist bei Dehner kein Thema für wenige Spezialisten. Kolleg*innen probieren neue Funktionen aus, nutzen Copilot zur Unterstützung, stellen Fragen und teilen ihre Erfahrungen.
Wenn ich auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicke, hat kaum ein Thema meinen Arbeitsalltag so stark verändert. Viele Fragen sind noch offen, gleichzeitig erlebe ich täglich, welches Potenzial in der Technologie steckt. Entscheidend ist für mich, dieses Potenzial zu nutzen, Risiken realistisch einzuschätzen und dabei eines nicht aus dem Blick zu verlieren: den Menschen.
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