Futter & Füttern

Allgemeines

In den letzten dreißig Jahren haben die Tiernahrungen namhafter Hersteller die Lebensbedingungen unserer Hunde in positiver Weise beeinflusst. Vorsichtige Schätzungen zeigen, dass die Lebenserwartung der Hunde in den letzten 15 Jahren um etwa drei Jahre gestiegen ist. Wir sind mit unseren Kenntnissen über Tierernährung mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem wir uns abwenden von der Minimalversorgung und uns einer optimalen und ausgewogenen Ernährung zuwenden. Die Zeiten, in denen Hunde noch mit Essensresten versorgt wurden, sind vorbei.

Wir wissen heute, dass Hunde je nach Rasse unterschiedliche Nahrung benötigen, aber auch Alter, Größe und Haltungsbedingungen spielen eine Rolle.

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Grundlagen

Der Hund gehört zu den vorrangigen Fleischfressern, ist also vom Bedarf her anders einzustufen als der Mensch, der als Allesfresser gilt.

Der Verdauungstrakt ist entsprechend anders aufgebaut. Kiefer und Zähne sind eher zum Abscheren des Fleisches von den Knochen als zum Kauen geeignet. Es findet praktisch keine Vorverdauung durch den Speichel statt, der Magen ist zur Zwischenlagerung der Beute deutlich größer, der Darm relativ kurz (je größer das Tier, umso verhältnismäßig kürzer der Darm). Der als Jäger und Rudeltier eigentlich sehr aktive Hund bezieht einen Großteil seiner Energie aus Fetten, kann aber durchaus unter Fettsucht leiden mit allen bekannten Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen, Gelenkerkrankungen etc.

Der Hund misst den Fütterungsumständen eine hohe Bedeutung zu, daher sollte die Fütterung im bekannten Napf zu denselben Tageszeiten und an einem bestimmten Ort stattfinden. Anders als früher empfiehlt man heute 2-3 Mahlzeiten pro Tag. Diese sollten nach den Mahlzeiten der Halter gegeben werden, das entspricht dem natürlichen Verständnis vom Fressritual innerhalb des Rudels.

Als Fleischfresser ist die vom Menschen oft gut gemeinte Abwechslung in der Ernährung eher abzulehnen, da sie dem Tier nicht zugute kommt.

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Physiologische Voraussetzungen

  • 42 Zähne zum Abscheren, aber zum Kauen wenig geeignet
  • Wenige Geschmacksknospen, der Hund hat keinen ausgeprägten Geschmackssinn
  • Keine Verdauungsenzyme im Speichel, also keine Vorverdauung
  • Großes Magenvolumen im Verhältnis zur Körpergröße
  • Erheblich höherer Säuregehalt im Magen
  • Dünndarmlänge 2 bis 6 m, sehr schnelle Verdauung
  • Dickdarm sehr kurz und sehr langsame Verdauung

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Nahrungsauswahl

Wie sucht man nun das Futter für seinen Hund aus?

Akzeptanz und Verträglichkeit sollten an erster Stelle stehen. Langfristig sollten dann natürlich auch Gewichtsveränderungen, Haarkleid, Leistung des Tieres und eventuelle gesundheitliche Auswirkungen bei der Wahl berücksichtigt werden. Da viele Hunde zu Fettleibigkeit neigen, sollte man gerade im Alter ein besonderes Augenmerk auf die Gewichtsentwicklung legen.

Die Qualität einer Nahrung wird durch die Qualität der Einzelzutaten und deren Zusammensetzung, also die eigentliche Rezeptur, bestimmt.

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Dosen- oder Trockenfutter?

Ich denke, das kann man getrost dem Hund überlassen; manche mögen eher Feuchtfutter, andere lieber Trockenfutter.

Was spricht für Dosenfutter?

Futter aus der Dose lässt sich einfach portionieren, Aussehen und stärkerer Geruch schaffen eine bessere Akzeptanz beim Tier. Unterschiede in der Textur des Futters (also festere und weichere Bestandteile) sind für manchen Hund von Interesse.

Was spricht für Trockenfutter?

Herstellungsbedingt ist das Trockenfutter besser durchmischt. Das geringere Gewicht bei gleichem Nährstoffgehalt lässt die Portionen kleiner ausfallen und der Hund bekommt kein Völlegefühl. Bei bestimmten Futtersorten ist auch das Sortiment größer. Trockenfutter führt zu besserem Zahnabrieb, was die Zahnsteinbildung verringern kann. Der Mensch schätzt es, dass das Futter kaum riecht. Und es kann auch bei höheren Temperaturen mal länger im Napf liegen bleiben, ohne zu verderben.

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Futterlagerung

Die begrenzte Haltbarkeit der Futtermittel, insbesondere der Fette und Öle (die ranzig werden können) sowie einiger Vitamine (natürlicher Verfall), bereitet Probleme, und man kann nicht davon ausgehen, dass die bei der Herstellung oder beim Kauf vorhandenen Inhaltsstoffe stetig erhalten bleiben. Um dem vorzubeugen, einige Tipps.

Dosen

Die Lagerung von verschlossenen Dosen ist relativ einfach. Lagern Sie sie dort, wo Sie auch Ihre eigenen Dosen aufbewahren. Angebrochene Dosen bitte mit einem passenden Deckel in den Kühlschrank stellen und vorm Verfüttern wieder auf Zimmertemperatur bringen.

Trockenfutter

Beim Trockenfutter sollte man die angegebene Haltbarkeit berücksichtigen und bedenken, ob man es in dieser Zeit auch verfüttert. Denn was nützt die günstige Großpackung, wenn ein Tier davon 4 Monate fressen würde, die Haltbarkeit aber ab Kauf vielleicht nur noch 3 Monate gegeben ist? Es empfiehlt sich, das Futter in eine verschließbare Box oder Dose zu packen und trocken, kühl und dunkel zu lagern, um die Haltbarkeit nicht zu beeinträchtigen.

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Was im Fertigfutter drin steckt, muss angegeben werden!

Auch für Tierfuttermittelhersteller gibt es bestimmte Deklarationsvorschriften. Die Zutaten werden abhängig von den Gewichtsanteilen in absteigender Reihenfolge genannt. Gut so!

Das Problem ist nur, dass sich diese Angaben auf die Mengen vor dem Erwärmen und „Zubereiten“ (auf Herstellerseite) beziehen.

Da Fleisch aus ca. 75 % Wasser besteht, bleibt also nach dem Erwärmen nur noch 1/4 übrig.

Das heißt konkret, dass ein Futter mit 25 % Fleischanteil, 20 % Mais, 20 % Reis, 10 % Trockenfisch, 10 %  Schweineschmalz und 10 % Öl sehr wohl an erster Stelle der Bezeichnung und der Zutatenliste das Fleisch nennen darf (da 25 % der größte Anteil ist). Tatsächlich sind aber nach dem Erhitzen nur ca. 6-7 % im Fertigfutter übrig geblieben. Der größte tatsächliche Anteil ist also Getreide.

Was hinten draufsteht, ist ebenfalls genau festgelegt.

So bedeutet

ein "enthält"

weniger als 4 % der Zutat

ein "mit"

zwischen 4 und 14 % der Zutat

ein "reich an"

zwischen 14 und 26 % der Zutat

ein "hergestellt aus"

zwischen 25 und 100 % der Zutat und

ein "nur"

100 % der Zutat

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Die Nährstoffe im Einzelnen

Kohlenhydrate

Die Kohlenhydrate, also die verschiedenen Zuckersorten, Stärke und Rohfasern, werden überwiegend aus Pflanzen wie Getreide oder auch Kartoffeln etc. gewonnen. Man unterscheidet verdauliche, aber auch unverdauliche Kohlenhydrate. Der Hund kann ohne Kohlenhydrate auskommen, weil er die notwendige Glukose auch selber bilden kann. In der Regel sind Kohlenhydrate Energielieferanten, übernehmen aber im Hundedarm die wichtigen Funktionen, den Transport des Nahrungsbreis und die Aufrechterhaltung der Bakterienflora zu unterstützen (Ballaststoffe).

Auch Zucker ist ein Energielieferant. Der Hund kann süß schmecken, also sollte man Süßigkeiten besser außerhalb seiner Reichweite lagern.

Fette

Sie sind die bedeutendste Energiequelle für den Hund, da sie etwa zweieinhalb mal mehr Energie als die Proteine oder Kohlenhydrate liefern. Fette befinden sich in tierischen, aber auch in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Obwohl der Hund Fette gut verdauen kann, kann zuviel Fett zur Verfettung und anderen Erkrankungen führen. Es gibt gesättigte Fette, also solche, die nur Energie liefern, und ungesättigte Fette, die mehr als nur Energielieferanten sind. Sie haben Einfluss auf Haut, Fell, Fortpflanzung und Sauerstoffversorgung in der Zelle sowie eine entzündungshemmende Wirkung. Besonders hervorzuheben sind hier die so genannten Omega 3/6 Fettsäuren, die eine essentielle Funktion haben und nicht im Organismus gebildet werden können.

Proteine 

Hunde haben im Wachstum einen hohen Bedarf an Proteinen (Eiweißen). Zudem verbessern Proteine häufig die Akzeptanz des Futters. Proteine finden sich in Eiern, Fleisch, Sojaprodukten, Fisch und Milchprodukten. Proteine bestehen aus verschiedenen Aminosäuren. Insgesamt gibt es zwanzig verschiedene Aminosäuren, von denen der Hund nur zehn nicht selber „herstellen“ kann; diese nennt man essentielle Aminosäuren.

Kohlenhydrate, Fette und Proteine sind also für die Energieversorgung zuständig.

Mineralien

Die Mineralien werden bei den meisten Futtermitteln nicht namentlich erwähnt, verstecken sich aber in dem Begriff „Rohasche“, deren Anteil bei einem Vollfutter in der Regel zwischen 5 und 8 % liegt. Man unterscheidet Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor, Kalium, Natrium und Magnesium und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Jod und Selen. Die Mineralien übernehmen spezielle Aufgaben im Organismus und werden in verschiedenen Organen unterschiedlich stark benötigt. Sie helfen den verschiedenen Geweben wie Muskulatur, Knochen, Zähnen oder auch inneren Organen, ihre Funktion aufrecht zu erhalten.

Vitamine

Auch wenn der Bedarf an Vitaminen mengenmäßig relativ gering ist, sind sie dennoch von lebenswichtiger Bedeutung. Man unterscheidet wasserlösliche und fettlösliche Vitamine. Vitamin A, D, E und K sind die fettlöslichen Vitamine, die vom Körper bei Überversorgung gespeichert werden können und dann sogar giftig wirken, während B und C als wasserlösliche Vitamine bei Überversorgung relativ leicht vom Organismus ausgeschieden werden können. Natürlich ist in Fertigfuttermitteln der Vitamingehalt an den Bedarf angepasst. Bei Vitaminpasten oder anderen Vitaminkonzentraten sollte man allerdings die Fütterungsempfehlungen beachten. Vitamine haben die unterschiedlichsten Funktionen im Organismus, häufig auch mehrere gleichzeitig. Hier seien daher nur einige kurz genannt.

Vitamin A

Mangel führt zu Sehstörungen

Vitamin D

Knochenbildung

Vitamin E

Zellschutz

Vitamin K     

Blutgerinnung

Vitamin B1

Energiegewinnung in der Zelle

Vitamin B2

Vorbeugung gegen Hautkrankheiten

Vitamin B5

Energiegewinnung in der Zelle

Vitamin B6

Zellenergielieferant

Vitamin B12 und Folsäure

Bildung der Blutzellen

Vitamin C

Antioxidans

Vitamin H (Biotin)

Haut und Haare

Vitamin Cholin

Phospholipidsynthese

Vitamin Nikotinsäure

Zellenergielieferant, Haut

Kurzfristige Vitaminüber- oder auch unterversorgung kann der Hund verkraften, da er in der Regel gewisse Reserven im Organismus hat. Langfristig führt aber eine falsche Versorgung zu Störungen, der Hund wird krank. Daher ist es aufwendig, für einen Hund ein ausgewogenes Futter selber herzustellen.

Darf ein Hund naschen?

Ja, das ist erlaubt. Als Nascherei für einen Hund eignen sich rohe Möhren, mal ein Rest Fettstreifen, Rindfleisch, getrocknete Tierteile wie Ohren, Pansen und Schlund, aber auch gekochte Kartoffeln, gekochten Reis, gekochte Nudeln oder getrocknete Brötchen kann man einem gesunden Hund risikolos in kleinen Mengen anbieten.              

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Quelle: Tierarzt Dr. Volker Robert Gerlitzki, Hamburg

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