Meerschweinchen richtig streicheln


Man braucht ein wenig Geduld bis man den kleinen Meerschweinchen auf den Pelz rücken darf, denn sie sind keine Kuscheltiere. Das Interview mit einem Meerschweinchen verrät Ihnen, was Sie für ein Kuscheln auf Meerli-Art tun müssen.

Ein Meerschweinchen im Interview

Mein Gott, siehst du drollig aus! So lustige Knopfaugen und eine niedliche Nase! Ist dein Fell so kuschelig wie es aussieht? Darf ich dich mal streicheln?

Moment! Kennen wir uns überhaupt? Ich glaube nicht! Dann bitte erst einmal nur gucken, ich lass mich freiwillig nur von Menschen streicheln, die ich gerne mag und die ich schon richtig gut kenne.

Aber warum denn? Die meisten Meerschweinchen bleiben doch ganz ruhig liegen oder sitzen, wenn man sie zu sich auf den Schoß nimmt.

Ja, was sollen sie auch dagegen unternehmen? Aus Angst drücken sie sich halt platt auf den Untergrund und machen sich möglichst klein. Wie sollen sie sich auch wehren? Aber seht mal genau hin: Durch Kopfschlagen und Zähneklappern zeigen sie manchmal, dass ihnen das überhaupt nicht gefällt.

Aber warum magst du denn nicht gestreichelt werden? Das fühlt sich doch gut an, und gerade Menschenkinder wollen ihren Meerschweinchen so ihre Liebe zeigen!

Da will ich euch mal unsere Sicht der Dinge erklären: In unserer südamerikanischen Heimat stehen Meerschweinchen bei vielen Greifvögeln ganz oben auf dem Speiseplan. Der "Zugriff" erfolgt meistens von oben. Ist doch klar, dass wir Angst haben, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren. Wir denken, wir werden hinterher aufgefressen!

Das würden wir natürlich nie tun! Aber wie kann man sich denn am besten mit dir anfreunden?

Ich finde, man muss sich zum Kennenlernen ein wenig Zeit lassen. Sprecht doch erst einmal mit sanfter Stimme durchs Gitter an meinem Gehege mit mir. Oder haltet mit ein Leckerchen hin. Und wartet einfach ab, bis ich von selbst Vertrauen zu euch fasse. Wenn wir uns besser kennen, dürft ihr mich auch berühren und ein wenig streicheln.

Und wie macht man das am besten?

Gaaanz behutsam aufnehmen. Wenn eure Hand von vorn auf mich zukommt, kann ich mich darauf einstellen, weil ich sie sehen kann. Zuerst vorsichtig meine Brust umfassen. Und mit der anderen Hand mein Hinterteil abstützen, damit mein ganzer Körper gesichert ist.

Und wie magst du gerne gestreichelt werden?



... so fühlen wir uns wohl ...

Ich muss dabei ja nicht direkt auf dem Schoß sitzen, oder? Gerade Kinder sind oft so hippelig. Wenn ich eine Kuscheldecke in einem Körbchen oder ein Polster unter mir habe, dann fühle ich mich viel wohler. Anschließend könnt ihr mich beispielsweise ganz sachte mit den Fingerspitzen hinter dem Ohr streicheln. Da lecken auch wir Meerschweinchen uns immer gegenseitig, wenn wir uns trösten wollen.

Aha, Feingefühl ist also gefragt!

Das kannst du laut sagen! Von kräftigem Kraulen oder großflächigem Tätscheln halt ich gar nix, das mögen vielleicht Hunde, wir Meerschweinchen bestimmt nicht. Aber leg doch mal vorsichtig und behutsam die Hand an meine Seite. Und jetzt minimal, immer nur einen Millimeter, hin und her bewegen. Das lasse ich mir dann schon gefallen.

Und was kann man tun, um euch besser kennenzulernen?

Beobachtet uns doch in der ersten Zeit nach unserem Einzug einfach nur. Dann seht ihr, wie viel wir drauf haben! Ein Fitnessparcours mit Steinen, Holzwippen und Kartons im Gehege sorgen für Abwechslung. Schachteln können wir als Versteck nutzen. Dann kapieren wir Meerlis schnell, dass immer etwas Interessantes passiert, wenn sich unser Mensch nähert.

Quelle: Dehner Magazin 04/2017