Schnitt-Ratgeber: Wein

Auch wenn der Wein zu den Kulturobstarten bzw. zum Beerenobst zählt, als Kletterpflanze ist und bleibt er eine Besonderheit. Gekonnt setzt er sich an sonnigen und geschützten Hausmauern, am Gartenzaun, an einer Pergola oder in Gartenecken z.B. an einem Kletterspalier in Szene.

Passen die Standortbedingungen, wächst die Pflanze schnell und erfreut mit leckeren Früchten. Wichtig sind die richtige Erziehung gleich von Anfang an und der dann regelmäßige Rückschnitt der Rebe.

Warum werden Weinreben geschnitten?

Wein trägt am einjährigen Trieb, der aus einem zweijährigen Trieb entspringt. Ziel jeder Schnittmaßnahme ist es, ein ausgewogenes Verhältnis von mehrjährigen und einjährigen Trieben zu erhalten.

Durch geeignete Schnittmaßnahmen kann der Stock in eine entsprechende Wuchsform gebracht werden. Gleichzeitig werden durch den Rückschnitt des Rebstocks die Pflanzengesundheit und der Ertrag gefördert.

Worauf ist beim Schnitt zu achten?

Der Schnittwinkel sollte immer so gesetzt sein, dass das Wasser von der Schnittfläche ablaufen kann und nicht auf der Schnittwunde stehen bleibt – denn dies würde Krankheiten begünstigen.

Wann ist der beste Schnittzeitpunkt?

Gut geeignet für den Erziehungsschnitt sind vor allem die Wintermonate, da Wein zum Ausbluten neigt. Ist es kalt und die Pflanze steht noch nicht im Saft, blutet sie weniger aus. Achten Sie bitte darauf, dass der Schnitt in einem frostfreien Zeitraum stattfindet.

Detailzeichnung Winterschnitt

Schneiden Sie beim Winterschnitt nicht zu dicht über der Blattachsel, sondern lassen Sie mindestens einen 1 cm langen „Zapfen“ stehen.

Gesamtansicht Winterschnitt (li.) und Sommerschnitt (re.)

Darüber hinaus ist es wichtig in den Sommermonaten die Fruchttriebe einzukürzen, damit die Früchte mehr Licht und Luft bekommen. Die Triebe werden auf 2 - 4 Blätter über der letzten Frucht abgeknipst. Dieser Vorgang sollte alle 2 - 3 Wochen wiederholt werden, da der Wein sehr starkwüchsig ist und sich in kurzer Zeit lange Triebe entwickeln können, die das Fruchtwachstum schwächen. Geiztriebe sollen hierbei ebenfalls ausgekniffen werden.

Detailzeichnung Sommerschnitt

Welche Erziehungsformen gibt es?

Während im Erwerbsanbau meist das Spalier bei der Weinerziehung zum Einsatz kommt, werden im Hobby-Garten der senkrechte Kordon, das einfache Spalier oder auch „nur“ die Begrünung von Fassaden, Pergolen usw. gewählt.

Egal für welche Wuchsform Sie sich entscheiden, am Anfang steht immer die Erziehung des Stocks.

Im ersten Jahr geht es zunächst darum, dass der Weinstock einen kräftigen Haupttrieb entwickelt, der möglichst nahe an der Veredelungsstelle sitzt. Hat die Pflanze weitere Triebe gebildet, werden diese vorsichtig ausgebrochen.

In den Folgejahren kann an der Erziehungsform gearbeitet werden.

Diese Erziehungsformen gibt es:

Der senkrechte Kordon

Als Rankhilfe genügt hier ein einfacher Pfahl, an dem ein Haupttrieb befestigt wird. Die Seitentriebe werden anfänglich eingekürzt, damit sich der Haupttrieb auch im zweiten Standjahr besser entwickelt. Alle 20–40 cm bleiben dann im nächsten Jahr alle einjährigen Fruchttriebe stehen, die auf zwei bis drei Knospen eingekürzt werden. Ab April treiben die Blütenknospen aus und fruchten. Nach einem weiteren Jahr sind die Zapfen zweijährig und die gleiche Prozedur beginnt von vorne.



Dehner-Tipp:

Diese Erziehungsform ist auch für einen Rebstock im Kübel geeignet. Der Stock sollte jedoch mindestens ein Erdvolumen von 30 Liter Erde fassen und für einen Tiefwurzler geeignet sein.

Das einfache Spalier

Aus einem senkrechten Kordon lässt sich wunderbar ein Spalier für z.B. Hauswände ziehen. Aus dem Haupttrieb werden nach und nach Seitentriebe gezogen, die waagerecht auf Querlatten oder Spanndrähte umgeleitet werden. Wichtig, binden Sie die jungen Triebe so bald wie möglich an. Sind diese erst einmal verholzt, brechen sie leicht ab. Seitentriebe oder Geiztriebe sollten zusätzlich ausgeknipst werden. Entfernen Sie alle 5–6 Jahre knorrige Äste und ziehen sie junge Triebe nach. An dem einjährigen Holz der zweijährigen Triebe bilden sich die Früchte.

Wunderschön begrünt

Möchten Sie Ihren Weinstock eher zur Dekoration kultivieren und z.B. eine Pergola begrünen, schneiden Sie in geringerem Maße zurück. Zu bedenken gilt in diesem Fall, dass Wein am einjährigen Holz trägt, das dem zweijährigen entspringt. Idealerweise erziehen Sie den Wein ab der gewünschten Stammhöhe wie einen waagrechten Kordon oder Fächer. Wird die Pflanze überhaupt nicht zurück geschnitten, nimmt die Fruchtbildung im Laufe der Zeit ab und dem Wein fehlt unter Umständen Licht und Luft. Kürzen Sie deshalb dennoch regelmäßig zumindest einige Seitentriebe gemäß Ihrer Sorte ein und sorgen Sie so für eine bessere Pflanzengesundheit.

Reben im Topf

Auch auf dem Balkon oder der Terrasse kann fleißig geerntet werden. Schwachwüchsige Sorten eignen sich hier besonders gut. Steht der tiefwurzelnde Weinstock in einem passenden Topf (je nach Rebenart z.B. bei Minireben < 10 Liter, Solidreben < 20 Liter usw.) können Sie sich über Jahre an ihm erfreuen. Geschnitten werden Weinreben im Topf wie unter Schnitt-Zeitpunkt angegeben.