Eigene Speisepilze züchten


Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute wächst so nah!? Sicherlich hat die Schwammerlsuche im Wald, auf Wiesen und Feldern auch seinen Reiz – doch lässt sich dies nicht mit der Anzucht und Ernte der eigenen Pilze im Hausgarten oder im Haus vergleichen.
Allgemein

Relativ einfach gezogen wachsen schmackhafte Waldpilze aus Pilzkulturen im Anzuchtsset oder mittels Pilzzucht auf Holz und Stroh.

Die Pilzkulturen können ganzjährig im Haus z.B. auf der Fensterbank oder von Frühjahr bis Herbst in Ihrem Garten aufgestellt oder ausgelegt werden.

Speisepilze schmecken lecker und sind auch noch leicht selbst zu züchten!

Schritt für Schritt: Champigons selbst ziehen

Weltweit gehört der Champignon zu den beliebtesten und am meisten verzehrten Zuchtpilz. Er ist kalorienarm, reich an wertvollen Mineralien und birgt zahlreiche Inhaltsstoffe. Auch der Steinchampignon hat seinen Platz oben auf der Beliebtheitsskala längst gefunden. Vor allem geschmacklich unterscheidet sich dieser, von dem „normalen“ Champignon jedoch durch sein stärkeres Pilzaroma.

1. Möchten Sie Ihre eigenen Champignons züchten, erhalten Sie beispielsweise in Ihrem nächsten Dehner Markt ein praktisches Pilzzuchtset.
2. Öffnen Sie die Spezialtüte Ihres Pilzzuchtsets mit dem Substrat oben entlang der Schweißnaht und füllen Sie 2 Liter frisches Leitungswasser in die Tüte. Das Substrat sollte gleichmäßig durchfeuchtet sein, ohne dass sich am Boden der Spezialtüte Wasser sammelt.
3. Wässern Sie das Substrat mit frischem Leitungswasser, da unsauberes Wasser Keime auf die Pilzkultur übertragen könnte.
4. Erhitzen Sie das Substrat in der Tüte in Ihrem Backofen, indem Sie es auf einem Backblech bei 100°C für 2 Stunden erhitzen. Die Temperatur sollte 100°C nicht überschreiten, da die Spezialtüte ab 120°C schmilzt.
5. Anschließend sollte das Substrat, auch im Inneren abkühlen, um eine Schädigung des Pilzmyzels beim Beimpfen des Substrats zu vermeiden.
6. Stellen Sie die Faltdeckel des Verpackungskartons nach oben und breiten Sie die im Paket enthaltene Einlagetüte im Karton aus. Das Substrat kann bis zur Hälfte eingefüllt werden.
7. Verteilen Sie die vier Myzelpatches mit gereinigten Händen gleichmäßig auf der Substratmischung und drücken Sie diese leicht an.
8. Geben Sie das restliche Substrat über die Myzelpatches und falten Sie die Ränder der Tüte locker-luftig so auf dem Substrat, dass dieses noch atmen kann.
9. Lagern Sie Ihre Pilzbox zum Durchwachsen bei 20°C bis maximal 25°C.
10. Nach 2–5 Tagen kann es zu einer leichten Geruchsentwicklung kommen, da das Stroh fermentiert und Nährstoffe umgewandelt werden.
11. Nach 3–5 Tagen ist der Prozess beendet und das Pilzmyzel wächst dann umso schneller in das Substrat hinein.
12. Kontrollieren Sie frühestens nach 2 Wochen, ob das Pilzmyzel schon vollständig das Pilzsubstrat durchwachsen hat.
13. Ist das Pilzsubstrat vollständig besiedelt, entnehmen Sie die Einlagetüte mit dem Substrat aus dem Karton und verschließen Sie die Einlagetüte durch beispielsweise Verdrehen der Folientüte bis an das Substrat heran.
14. Bereiten Sie den Karton erneut mit der zweiten Einlagetüte wie unter Punkt 4 beschrieben.
15. Legen Sie die verschlossene Tüte mit dem durchwachsenen Pilzsubstrat mit der Öffnung nach unten in die Pilzbox und schneiden Sie in die Tüte 2-mal gleichmäßig verteilt 5 cm lang ein. Aus diesen „Atmungsschlitzen“ heraus bilden sich dann die Pilze.
16. Die Pilzbox wird nun mit der befestigten Abdeckhaube bei Temperaturen von 15–20°C an einem hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung aufgestellt.
17. Befeuchten Sie die Pilzzuchtbox innen regelmäßig mit frischem Leitungswasser.
18. Für Champignons und Steinchampignons beträgt die Wartezeit je nach Umgebungstemperatur ca. 3 Wochen. Austernpilze und Braunkappen müssen das Pilzmyzel das Substrates erst noch besiedeln. Dies dauert beim Austernpilz ca. 3–4 Wochen, bei der Braunkappe 4–5 Wochen. Die Pilze beim Austernpilz zeigen sich nach weiteren 1–2 Wochen und bei Braunkappen nach ca. 2–3 Wochen. 


Dehner-Tipp:

Besonders in den Sommermonaten kann es vorkommen, dass Insekten den Weg in Ihre Pilzbox finden – diese können mittels Staubsauger aufgesogen werden. Entfernen Sie zusätzlich nach jeder Ernte alle Stiel- und Pilzreste vom Substrat, da diese einen Nährboden für Keime und Insekten darstellen.

Pilzzucht auf Holz

Bei der Pilzanzucht auf Holz kann je nach Holzart der Ertrag bzw. die Erntezeit, vergleichsweise zu Pilzanzucht- sets, erhöht werden. Möchten Sie diese Variante der Pilzanzucht versuchen, können Sie die gewünschten Pilzpatches über Ihren Dehner Markt beziehen.

Zusätzlich benötigt werden zwei ca. 20–25 cm lange Laubholzstämme mit einem Durchmesser von 15–30 cm, die maximal vor 3 Monaten geschlagen wurden.

Das Holz sollte gesund und frei von Schimmelbefall sein. Besonders geeignet für die Pilzzucht sind Eiche, Buche, Birke, Pappel, Weide, Esche, Erle und Obst- gehölze. Je härter das Holz, umso höher der Pilzertrag.

Befestigung eines Pilzmatches auf einem Baumstumpf.

Und so geht’s:

1. Zur Vorbereitung müssen die Baumstämme ca. 24 Stunden in frischem Leitungswasser gewässert werden.

2. Nehmen Sie die Myzelpatches mit gründlich gereinigten Händen aus der Verpackung und legen Sie es mittig auf die Schnittstelle des Baumstammes.

3. Anschließend befestigen Sie das Patch unter der Schutzabdeckung mit 4 Reißnägeln auf dem Holz.

4. Lagern Sie die Baumstämme bei mindestens 10°C an einem schattigen Ort. Die Temperatur sollte für 4–8 Wochen nicht mehr als 25°C betragen.

5. Wässern Sie das Holz regelmäßig – die Baumstämme dürfen nicht austrocknen.

6. Je nach Holzart und Wachstumsbedingungen bilden sich nach 8–13 Wochen die ersten Edelpilze. Nach dieser Durchwachszeit sind die Kulturen winterhart.

Pilzzucht auf Stroh


Anzucht auf Stroh – einfach einstecken...

Neben der Kultur auf Holz ist die Pilzanzucht auch auf Strohballen, mit den Maßen 50 x 50 x 50 cm möglich. Wählen Sie Stroh, das noch kein Jahr alt, trocken und ohne Schimmel ist.

Und so geht’s:

1. Bevor die Myzelpatches in den Strohballen gepackt werden, wässern Sie den Ballen für ca. 24 Stunden in frischem Leitungswasser. Wichtig ist, dass der Strohballen vollständig mit Wasser abgedeckt wird und sich so vollsaugen kann. Bleibt der Ballen nicht unter Wasser, beschweren Sie ihn mit einem Stein.

2. Nehmen Sie die Myzelpatches mit gründlich gereinigten Händen, um eine Verunreinigung durch Keime zu vermeiden. Stecken Sie sie gleichmäßig verteilt 5–10 cm tief in den Ballen.

3. Lagern Sie den Ballen an einem schattigen Ort bei mindestens 15°C aber nicht mehr als 25°C. Steigen die Temperaturen im inneren des Ballens höher als 34°C, kann dies zu einer Myzelschädigung führen.

4. Lagern Sie die Baumstämme bei mindestens 10°C an einem schattigen Ort. Die Temperatur sollte für 4–8 Wochen nicht mehr als 25°C betragen.

5. Wässern Sie den Strohballen während der Kultur immer gleichmäßig und vermeiden Sie dadurch ein Austrocknen des Ballens.

6. Ist das weiße Pilzmyzel nach 4–6 Wochen durchgewachsen und auf dem Strohballen erkennbar, ist der Pilz winterhart.

Der passende Zeitpunkt zur Ernte

Ihre Pilze sind erntereif, wenn sie nicht mehr weiterwachsen. Geerntet wird immer die ganze Pilztraube bzw. der Pilz samt Stiel.

Um das Pilzgeflecht möglichst wenig zu schädigen, wird der Pilz mit einer Drehbewegung geerntet. Dadurch entstehen kleinere Verletzungen an den Pilzfäden, als bei einer Ernte mittels Messerschnitt.

So sehen erntereife Austerpilze aus...

Je nach Art des Anbaus (Pilzzuchtset oder Pilzzucht auf Holz / Stroh) kann in Abhängigkeit der Wachstumsbedingungen und Nährstoffversorgen in mehreren Erntewellen geerntet werden:

  • Pilzzuchtset: über 3–4 Monate ist eine fortlaufende Ernte möglich
  • Pilzzucht auf Holz: je nach Holzart sind über 2–3 Jahre Erntewellen denkbar
  • Pilzzucht auf Stroh: über einen Zeitraum von 3–4 Monate kann mehrfach geerntet werden


Dehner-Tipp:

Das Substrat der Anzuchtsets kann nach der Ernte einfach über den Biomüll entsorgt werden. Es dient als wertvoller Kompostdünger.