Kartoffeln: Vielfalt, Anbau und Lagerung


Einst verschmäht als Essen „Armer Leute“, ist die Kartoffel inzwischen fester Bestandteil der meisten Speisezettel. Ob als Pellkartoffel, im Salat, als Reiberdatschi oder als Kartoffel-Knödel – sie schmeckt den meisten Gemüsefreunden.

Allgemein

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fand die Kartoffel ihren Weg nach Deutschland. Seitdem wurde sie züchterisch immer weiter entwickelt und kann vor allem im eigenen Garten mit ihrer Vielfalt punkten.

Zahlreiche alte und neue Sorten, in verschiedenen Farben überbieten sich in Geschmack und der Verwendung. Mit Stärke, Eiweiß, Ballaststoffen wie auch Vitaminen und Mineralstoffen gilt diese Knolle neben Reis, Mais und Weizen als Grundnahrungsmittel Nummer 4.

Sortenwahl und -übersicht

Verschiedene Eigenschaften der Kartoffel spielen, bei der Auswahl der Sorte, eine wesentliche Rolle.

Zu beachten sind: die Reifezeit, der Kochtyp und die Anfälligkeit für Krankheiten.

SorteReifezeitResistenzenKochtypVerwendung

'Adretta'

mittelfrüh*

130–150 Tage

weitgehend Krautfäule, anfällig für Schorf mehlig Pürees, Eintöpfe, Klöße u.a.

'Melina'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Krautfäule mittel mehlig Pürees

'Bio Agria'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Krautfäule vorwiegend festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe, Eintopfgerichte

'Christa'

früh*

90–110 Tage

weitgehend Braunfäule, Krautfäule, Nematoden vorwiegend festkochend Salzkartoffeln, Aufläufe, Eintopfgerichte

'Granola'

spät*

130–150 Tage

weitgehend Braunfäule, Krautfäule, Nematoden vorwiegend festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe, Salzkartoffeln

'Holländische Erstlinge'

sehr früh*

70–90 Tage

vorwiegend festkochend Eintopfgerichte, Aufläufe, Salzkartoffeln, Kartoffelsalat

'Krone'

mittelfrüh*

130–150 Tage

vorwiegend festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe, Salzkartoffel

'Laura'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Nematoden vorwiegend festkochend Aufläufe, Kartoffelsalat, Salzkartoffel

'Quarta'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Nematoden mehlig Eintopfgerichte, Kartoffelsalat, Aufläufe
'Selma'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Widerstandsfähigkeit gegen Knollenmängel vorwiegend festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe, Eintopfgerichte

'Cilena'

früh*

110–130 Tage

Nematoden festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe

'Linda'

mittelfrüh*

130–150 Tage

Blattrollvirus, Y-Virus, Nematoden festkochend Kartoffelsalat, Aufläufe
'Valetta'

früh*

130–150 Tage

Blattrollvirus, Y-Virus vorwiegend festkochend Königin der Salatsorten

* sehr früh = Ernte Juni / Juli; früh = Ernte im August; mittelfrüh = Ernte Anfang September; späte Sorte = Ernte ab September

Das richtige Pflanzgut

Um Krankheiten vorzubeugen ist es ratsam jährlich neues Pflanzgut zu verwenden. Pflanzkartoffeln aus der eigenen Ernte können Krankheitserreger mitbringen und eine komplette Ernte zunichte machen. Am besten verwenden Sie zertifiziertes Pflanzgut, auf dessen Qualität Sie sich verlassen können. Gekennzeichnet ist dieses bei Dehner mit einer Banderole, auf der die gesetzlich vorgeschriebenen Daten vermerkt sind.

Kartoffeln vorkeimen

Beginnen Sie 5–7 Wochen vor dem geplanten Pflanztermin Ihre Kartoffeln in Kisten vorzutreiben, indem Sie Ihre Kiste bei 10–20 °C aufstellen.

Richten Sie die Kartoffeln nach dem Tageslicht aus, da die Kartoffel zu den Lichtkeimern gehört und warten Sie bis sich 2–3 cm lange Triebe gebildet haben. Anschließend härten Sie Ihr Pflanzgut bei ca. 6 °C ab.

Erste Triebspitzen und Blättchen bei vorgekeimten Kartoffeln.


Dehner-Tipp:

Sorgfältiges Vorkeimen beschleunigt den Wuchs, dezimiert Auflaufschäden und bringt Mehrerträge.

Standort- und Bodenansprüche

Im Prinzip wachsen Kartoffeln auf allen Böden. Bevorzugt werden jedoch durchlässige, leichte Böden mit hohem Humusanteil. Der Boden sollte leicht zu erwärmen sein und eine gute Wasserhaltekraft besitzen. Schwere, tonige Böden verursachen im Gegenzug Staunässe und begünstigen Fäulnis & Co.

Eine tiefgründige Bodenvorbereitung bzw. Lockerung vor dem Setzen der Kartoffeln ist stets notwendig. Graben Sie die Flächen im Herbst um, um eine feinkrümelige Struktur für das Frühjahr zu erhalten.


Kräftige Kartoffelpflanzen in Reih und Glied...

Erdäpfel legen


Einfach gemacht: Erst einen Graben ziehen, dann legen...

Ab einer Bodentemperatur von 10 °C können die ersten frostempfindlichen Kartoffeln bei trockenem Boden gelegt werden. Der Reihenabstand sollte 60–75 cm, der Pflanzabstand in der Reihe 30–35 cm betragen. Bei der Pflanztiefe können Sie sich nach dem Knollendurchmesser orientieren. Normalerweise sind es ca. 3–5 cm

Haben die Pflanzen eine Wuchshöhe von 10 cm erreicht, muss spätestens mit dem Anhäufeln begonnen werden. Die Dämme sind optimal, wenn sie trapezförmig und mittig über der Kartoffel aufgebaut sind.

Um vor allem bei Frühkartoffeln die Knollen vor eventuellen Frösten zu schützen, können Sie

die Kartoffelbeete mit Folien oder mit Vlies abdecken. Nachdem die Kartoffelstauden aufgelaufen sind, bietet es sich an die Folie locker über die Stauden zu legen. Sind die Eisheiligen, Mitte Mai vorbei bzw. ist nicht mehr mit Frösten zu rechnen, wird die Folie bzw. das Vlies nicht mehr benötigt.

Sonderform: Kartoffelanbau unter Stroh

Ist der Boden lehmig und schwer können Sie es mit dem Kartoffelanbau unter einer Mulchschicht aus Stroh, Heu oder vergleichbaren Materialien probieren.

Wichtig ist ein heller, sonniger Platz. Denn Wärme fördert die Aktivitäten der Bodenlebewesen, die den Mulch zu wertvollen Humus zersetzen. Zusätzliche Düngergaben mit z.B. Brennnesseljauche im 2-Wochentakt versorgen die Kartoffeln mit wuchsfördernden Nährstoffen.

Erntereife Kartoffeln nach Anbau unter Stroh!


Dehner-Tipp:

Achten Sie auf eine fortwährende Abdeckung mit Heu, so dass neu gebildete Knollen nicht mit Licht in Berührung kommen. Eine Vergrünung der Kartoffel ist damit zu vermeiden. Ist die Kartoffel grün, ist sie ungenießbar. Es hat sich eine schwach giftige chemische Verbindung, das so genannt Solanin, gebildet!

So geht's:

1. Das Pflanzgut wird im Mai auf den Rasen oder eine frisch gemähte Wiese gelegt. Der Reihen- und Pflanzabstand entspricht in etwa dem einer „normalen“ Kultur und sollte bei 60–75 cm, bzw. in der Reihe bei 30–35 cm liegen.

2. Bedecken Sie das Beet mit 40 cm Heu oder Stroh. Nach dem Aufbringen der Mulchschicht wässern Sie ordentlich, bis die Heuschicht zusammensackt.

3. Nun ist Geduld gefordert: Nach ca. 6 Wochen wachsen die ersten Triebe durch das Heu. Kontrollieren Sie ab diesem Zeitpunkt ob Unkräuter durch die Mulchschicht stoßen und entfernen Sie diese gegebenenfalls.

4. Stirbt das Kartoffelkraut ab, sind die Kartoffeln erntereif. Unter der Mulchschicht finden sich nun die Kartoffeln. Sie können einfach aufgesammelt werden.
Pflege und Pflanzenschutz

Das Kartoffelbeet sollte während der Kulturzeit durch 2–3 maliges Hacken unkrautfrei gehalten werden. Die Dämme gegebenenfalls immer nachhäufeln.

Vor allem nach starkem Regenguss kann dies notwendig werden. Um möglichen Krankheiten und Schädlingen vorzubeugen ist neben der Verwendung qualitativ hochwertigen Pflanzguts eine permanente Kontrolle der Beete von Vorteil. Kartoffelkäfer beispielsweise können abgesammelt werden.

Hacke zur Bearbeitung des Kartoffelbeets...
Düngung der Knolle

Wie für Starkzehrer üblich, benötigen die Kartoffelpflanzen ein hohes Maß an Nährstoffen – vor allem bis zur Blüte. Sehr gut vorbereiten lässt sich der Boden durch Aussaat von Gründüngungspflanzen, durch die Einarbeitung von verrottetem Stallmist im Herbst oder durch reifen Kompost.

Während der Kultur können zusätzliche Düngermaßnahmen mit Blaukorn, Thomasphosphatkali, Patenkali usw. den Nährstoffbedarf decken. Mit Stickstoff muss vorsichtig umgegangen werden, da dieser eine Erkrankung mit Kraut- und Braunfäule fördert.

Ein zu spätes Nährstoffangebot wirkt sich negativ auf die Qualität und Ausreife der Knolle aus.

Um Schädlingen und Krankheiten vorzubeugen, sollten Kartoffeln im 4 Jahresrhythmus auf dem gleichen Beet angebaut werden. Erreger können sich über längere Zeit im Boden halten und sonst das neue Pflanzgut befallen.

Bewässerung

Wässern Sie Ihre Beete je nach Witterung zusätzlich, so dass Ihre Kartoffeln immer gleichmäßig feucht gehalten werden. Besonders ab Blütebeginn benötigt die Kartoffel ausreichend Wasser zur optimalen Ertragsbildung. Staunässe sollte hierbei jedoch nicht entstehen – 25–30 l/m² genügen.

Ernte gut, alles gut!

Frisch geerntete Kartoffeln schmecken besonders gut!

Der Erntetermin hängt von der Kartoffelsorte ab. Frühe Sorten können meist bereits Mitte Juli, nach der Blüte geerntet werden. Mittelfrühe und späte Kartoffelsorten sind erntereif, wenn das Kraut vollständig abgestorben ist. Die Kartoffelschale ist in diesem Stadium fest.

Nicht alle Kartoffeln müssen zeitgleich geerntet werden. Sind sie mit Erde bedeckt, können sie bis zum nächsten Kartoffelessen im Boden verbleiben. Dort bleiben sie frisch und knackig.

Generell sollte die Ernte bei trockenem Wetter und Boden erfolgen. Bitte verletzen Sie hierbei die Knollen nicht, da sie sonst bei der Lagerung das Faulen beginnen.

Lagerung der Kartoffeln

Erdäpfel lagern am besten in einem dunklen, frostsicheren und luftigen Raum. Gut geeignet zur Lagerung sind späte Sorten. Ein passender Lagerort ist oft der Keller, in dem die Temperaturen um 4–6 °C liegen.

Fallen die Temperaturen unter 4 °C wird die Stärke, die in den Knollen enthalten ist, in Zucker umgewandelt und versüßt die Kartoffel ungewollt. Ist der Platz zu warm fangen die Kartoffeln an zu faulen oder treiben aus. Ist der Lagerplatz zu hell, ergrünt die Kartoffel und wird ungenießbar.

Gut geeignet zur Lagerung – ein frostsicherer, dunkler Raum mit Durchlüftung.